Unsere ersten 24 Stunden ohne Strom

Unsere ersten 24 Stunden ohne Strom

4. Januar 2026 0 Von Sven Ullrich

Unsere ersten 24 Stunden ohne Strom

Nachts um 2:30 Uhr war plötzlich alles dunkel.
Kein Drama – wir drehen uns um und schlafen weiter.

Gegen 4:00 Uhr geht auf einmal der Fernseher an. Strom ist wieder da.
Zehn Minuten später ist er dann endgültig weg.

Also erst mal ausschlafen.

Um 9:00 Uhr holen wir den Kartuschenkocher rein, dazu ein paar Akkulampen.
Kein Strom, keine Heizung, keine Kommunikation.
Auch das mobile Internet ist weg.

Christine fährt zuerst zu ihrer Mutter – einfach, um zu wissen, dass sie in Sicherheit ist.
Dort gibt es Strom wie immer, aber auch kein TV-Signal.

Ich beginne zuhause, die Nachbarn mit heißem Wasser zu versorgen.
Thermoskannen gehen im Kreis, werden immer wieder neu gefüllt.
Die Zimmertemperatur sinkt langsam, aber noch human auf 16 Grad.

Wir spielen erst einmal ein Kartenspiel.
Entschleunigung, Ruhe, Zeit – und irgendwie auch ein gutes Gefühl.

Zwischendurch immer wieder: heißes Wasser für die Nachbarn.

Dann ruft ein Freund an.
Er braucht dringend Strom für ein Beatmungsgerät.
Wir holen ihn aus der Wohnung und bringen ihn in einen Bezirk mit Strom, wo er bei seiner Schwester unterkommt.

Danach folgen weitere Nachbarn, die evakuiert werden müssen.
Und wieder: heißes Wasser für alle, die bleiben.

Heute Morgen bringt Christine zuerst den Inhalt der Tiefkühler in Sicherheit.
Was geht, wird verteilt – der Rest kommt auf den Balkon.
Und wieder heißes Wasser für die Nachbarn.

Am Anhänger befreien wir Solar und Technik von Schnee und Eis,
damit wenigstens Strom für Handy und Grundversorgung erzeugt werden kann.
Auch hier wandern Powerbanks zu den Nachbarn.

Kein großes Heldentum.
Einfach füreinander da sein.

Es beruhigt zu wissen, dass wir selbst recht gut autark klarkommen –
gleichzeitig erschreckt es uns, wie unvorbereitet viele andere sind
und wie schnell man plötzlich auf Hilfe angewiesen sein kann.